Mystik und Melancholie in Bildern.
Zwei Eigenschaften, die mich seit je her faszinieren. Als ich zuletzt mal wieder in meinem Archiv wühlte, sind mir die Bilder aufgefallen, an denen ich vor ein paar Jahren mit Leidenschaft gearbeitet habe.
Es ist nicht Jedermann Sache. Ob diese Bilder zur eigentlichen Fotografie zu zählen sind oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass mich diese Art von Bildern immer wieder in den Bann ziehen. Es sind einfach Erzählbilder. Wenn man seine Phantasie etwas bewegt, fallen einem jede Menge Geschichten dazu ein. Bilder dieser Art sehe ich nicht nur kurz an und lege sie weg. Manchmal ertappe ich mich, so ein Bild 5 Minuten zu betrachten und in seiner Geschichte zu versinken. Es ist wie mit guter Musik. Natürlich kann man auch beides haben.
Leider ist mir von diesem Bild das Original abhanden gekommen. Dieses Bild wurde zur Mittagszeit aufgenommen und bereits bei der Aufnahme hatte ich dieses Bild im Kopf. Ich holte mir dieses Motiv, nahm es mit nach Hause und setzte mich an den Rechner. Das Abdunkeln des hellen Sonnenlichts stellte ich mir sehr schwierig vor, da ich davon ausging, dass mir die Bäume dabei zuschmieren würden. Dies war aber eigentlich gar keine große Schwierigkeit, da durch das Gegenlicht, die Äste bereits in tiefes Schwarz getaucht waren. Die Baumstämme wurden nach der Abdunklung, punktuell, mit dem Pinsel, wieder aufgehellt. Es kam automatisch ein gewisser Glanzeffekt zum Tragen, der sehr gut in´s Bild passt. Den Kiosk brachte ich dann noch zum Leuchten und bastelte ein paar weitere Glühbirnen dazu.
Als das Bild nach etwa 2 Stunden fertig war, fehlte mir aber trotzdem noch das gewisse Etwas. Eine Vignetierung. Ich glaube sogar jetzt noch nicht, dass dieses Bild fertig ist, aber irgendwann sollte man aufhören, um das Bild nicht tot zu berabeiten. Den Absprung muss man einfach schaffen. Von diesem Bild existieren bereits mehrere Varianten und so richtig kann ich nicht sagen welche die Beste ist.
Als ich diesen Herbst unterwegs war, konnte ich dieses Motiv ablichten. Auch hier hatte ich sofort wieder das Bild im Kopf, wie es mal aussehen sollte. Da es vorher etwas geregnet hatte, spiegelte die im Hintergrund verlaufende Straße ein wenig. Bei der Bearbeitung war dies eigentlich für mich der Eye-Catcher, mit dem ich mich sofort befasste. Natürlich musste der Himmel in seiner Gradation und Farbe, der am linken Bildrand scheinbar endenden Straße, in seiner Geschichte zuspielen.
Merkwürdiger Weise fasziniert mich die nass-glänzende Straße mehr, als das Hauptmotiv. Das Hauptmotiv stellt den Ruhepol dar, aber was liegt hinter dem Fotografen? Hier fängt die Geschichte an.
Aufhellen und Abdunkeln mit dem Pinsel. Natürlich die Grundtechniken wie Tonwerte, Kontraste und Gradation voranstellen. Dann einfach anfangen und mit dem Licht malen. Lichtmalerei. So hat mal jemand Fotografie beschrieben, meinte dabei aber etwas anderes.
Es gibt natürlich viele Wege zum Ziel. Ich entscheide mich meistens für die einfachste Lösung. Keine tausend Ebenen. Nicht 5 mal den A-Kanal in den B-Kanal invertiert kopieren. Nein, einfach nur mit dem Pinsel arbeiten, wenn man die Grundlage mit den Grundtechniken geschaffen hat. Aber die Methode ist eigentlich egal, denn am Ende zählt das Bild – only the picture!
Zum guten Schluss nochmal ein Bild aus meiner “Ripper-Reihe”. Im Sommer 2008 habe ich diese Treppe am Volksbad in München fotografiert. Wieder war es heller Tag und auch die Laterne leuchtete noch nicht. Man kann aber versichert sein, dass es dort so aussieht, wenn die Laterne leuchtet. Den “Ripper” habe ich natürlich montiert, der hätte sich wohl auch nicht von mir ablichten lassen.
Hier tritt der Fotograf total in den Hintergrund. Er wird nicht bemerkt. Der Fotograf ist hier nur der Beobachter der Szene. Keiner weiß was folgen wird. Wieder spielt das was hinter dem Fotografen liegt eine größere Rolle als das, was abgelichtet wird.
Dass das Bild so aussehen wird, wie es aussieht, war mir hier noch nicht klar. Ich wusste allerdings bereits bei der Aufnahme, dass dies wieder ein top Motiv für meine Spielerei abgeben wird.
Diesmal hatte ich sehr viel Mühe mit der Bearbeitung, da ich es ziemlich dunkel haben wollte, um die Aufmerksamkeit nur auf die Treppe und die, am Ende der Treppe, strahlende Laterne zu richten.
Mit dem Pinsel einzelne Äste und Blätter aufgehellt, bringen etwas Farbe in´s Spiel und man bemerkt, dass es noch Sommer ist. Da stellt man sich schon mal die Frage warum der Mensch dort oben so dick angezogen ist.
Kontraste gut eingesetzt, bringen Spannung in´s Spiel und erhöhen die Aufmerksamkeit für die Geschichte. So sind mehrere “Ripper-Bilder” entstanden und im Übrigen auch eines aus dem ersten Bild oben.






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Mir gefallen die Bilder prima, aber auch deine Schreibweise und das du
preisgibst was dahinter steckt, dir vorschwebt(e) ect.
Prima!
LG
Andreas