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Kunst in der Fotografie
Vermehrt lese ich in der letzten Zeit Artikel zum Thema KUNST in der Fotografie. Oft wird die Frage gestellt: “Was ist Kunst?”. Gute Antworten darauf, habe ich in meinem ganzen Fotografen-Dasein noch nicht gefunden. Auch ich werde hier keine Antworten geben können. Ich möchte mit diesem Beitrag analysieren, woran dies liegen kann.
Viele haben den Anspruch ihre Fotos und Bilder als Kunst zu deklarieren. Mal abgesehen von den Fotografen, die sich zum Ziel setzen, nur ein klares und scharfes Bild der Gegenwart abzulichten, haben doch andere wiederum den Anspruch, aus der gefunden Szene, etwas Spezielleres zu machen. Sie bringen sich dann selbst mit in´s Spiel.
Die Emotion kocht hoch.
Emotionen spielen eine sehr große Rolle, für Fotografen, die künstlerisch arbeiten möchten. Eigentlich ist es nicht das Motiv selbst, das den Ablichter interessiert. Vielmehr ist es Mittel zum Zweck, seiner Emotion Ausdruck zu verleihen. Vielleicht ist es gerade das Motiv, dass zu einem (ich nenne es mal so) Emotions-Ausbruch verleitet. Aber in der nächsten Sekunde spielt dieses Motiv an sich, keine Rolle mehr. Jetzt kommt es nur noch auf das richtige Licht an. Auf die Licht-Farbe, die in diesem Augenblick passen muss. Auf die Szene die sich im Kopf abspielt und das Zusammenspiel von Blende und Zeit, die das Gesamtbild abrunden. Wenn alles zusammenpasst, bleibt dem Fotografen die Gänsehaut nicht erspart.
Arten der Emotion.
Leicht zu erklären am Beispiel der Musik. Ich bräuchte gar nicht weiter zu schreiben, denn jeder weiß bereits was gemeint ist. Rock-Musik ist für den einen das Leben pur. Andere können dies einfach nicht nachvollziehen. Generalisten, Leute die mit allem etwas anfangen können, tun sich hier leichter. Sie haben in jedem Teil der Musikrichtungen ihren Favoriten, bei dem gewisse Emotionen frei werden.
Fotografie als Meditation.
Nicht selten lese ich von Fotografen, die sich stundenlang in der Natur bewegen können, ohne einmal auf den Auslöser zu drücken. Sie warten angeblich auf das richtige Licht. In dem Moment, wenn das Licht zu den Emotionen stimmt, wird ausgelöst. Schon Minuten, wenn nicht Stunden vorher, ist die Blende voreingestellt und das passende Objektiv angeschraubt. Das Bild ist im Kopf bereits schon fertig, aber noch nicht im Kasten. In der Zeit, vom fertigen Kopfbild bis hin zur Auslösung, werden sämtliche Dinge des alltäglichen Lebens ausgeblendet. Es zählt nur noch der Fotograf und das Bild. Meditation pur.
Der gleiche Prozess läuft bei einer Nachbearbeitung des Fotos ab. Auch hier nimmt der Fotograf emotional Einfluss auf das fertige Bild. Manchmal oder eher meistens, wird das Bild bei der Nachbearbeitung niemals fertig. Der Nachbearbeiter muss darauf achten, nicht zu lange daran zu arbeiten, da jetzt vielfach Bilder kaputtbearbeitet werden. Den Absprung aus der Meditation im richtigen Moment zu schaffen, ist manchmal sehr schwierig.
Am Ende der Kette.
Der Fotograf und der Nachbearbeiter haben ihre Arbeit getan. Die Emotion, die bei der Arbeit sprudelte und überkochte, liegt nun flach auf dem Tisch. Das künstlerische Wirken der beiden, hat nun seinen Abschluss gefunden und am Ende der Kette wartet der Betrachter, um es in seinen Augenschein zu nehmen.
Wie soll es auch anders sein. Natürlich ist, in den meisten Fällen, der Betrachter nicht bei der Entstehung der künstlerischen Arbeit dabei. Aus diesem Grund kann der Betrachter die Emotion, die den Fotografen leitete, auch in den meisten Fällen nicht nachvollziehen. Das entstandene Bild verfehlt seine Wirkung, obwohl der Fotograf sowie der Nachbearbeiter, künstlerisch alle Energie in das Bild gesetzt haben, um die gleiche Emotion beim Betrachter zu wecken.
Auch kommt der Betrachter in der Regel nicht aus dem gleichen Umfeld. Er hat auch andere Empfindungen aufgrund anderer Abläufe die sein Leben z. Zt. bestimmen. Er ist es im Allgemeinen aber, der über Kunst oder nicht Kunst entscheiden wird.
Der tiefe Fall.
Wenn all diese Dinge zustandekommen, wie erwähnt, ist die Enttäuschung bei manchen Menschen sehr groß. Haben sie doch ihr ganzes emotional geleitetes Geschick in die Arbeit gesteckt und keinen Lohn dafür erhalten. Die Beiträge “Sehr schön”, “Gute Darstellung”, “Gefällt mir” ect. reichen hier nicht mehr aus. Der Fotograf wünscht sich spätestens jetzt, eine detaillierte Auseinandersetzung mit seinem Werk. Eventuell fehlt bereits von vornherein die Beschreibung, wie und warum dieses Bild entstanden ist, vielleicht sogar die Ehrlichkeit, um den Betrachter sofort auf den Weg zu bringen. Auch kann die Auswahl des geeigneten Forums ein Problem darstellen. Nicht jeder sieht die Bilder mit seiner Seele, sondern betrachtet sie oberflächlich und rein visuell. Manchmal kann der Betrachter aber auch keine Emotion nachempfinden, da ihm diese Art der Emotion fehlt.
Die andere Seite.
Nicht selten sehe ich Aufnahmen, die in ihrer technischen sowie gestalterischen Umsetzung und Aussagekraft, erhebliche Mängel aufweisen. Wobei der Anspruch auf eine künstlerische Arbeit aber dennoch besteht. Vielleicht ist ja hier auch mit sehr viel Emotion vorgegangen worden, aber die Umsetzung ist gescheitert.
Mein Fazit.
Eine tolle Aufnahme, ein gutes Foto, eine Veröffentlichung, eine Aufnahme mit vielen begeisterten Kommentaren, ist noch lange keine künstlerische Arbeit. Zu oft wird vergessen den emotionalen Gedanken in ein Foto mit einzubringen. Die emotionale Bindung des Fotografen und des Betrachters fehlen sehr häufig. Ich nehme mich hier gar nicht heraus. Den Betrachter an den Fotografen zu binden, ist eine sehr schwierige Aufgabe.
Manchmal gelingt dies aber auch. Ich denke dann…dann ist es KUNST.