Vom Foto zum Bild

1. Gestaltung und Komposition.

Gestaltung unterstützt den künstlerischen Aspekt  des Bildes. Ohne Gestaltung verliert das Bild am Ende an Aussagekraft.
Vorausgesetzt ich will etwas aussagen und nicht nur dokumentieren.
Kurz: Weg vom Foto hin zum Bild.
Leichter gesagt als getan!

1.1 Architektur

Brennweiten: Alle Brennweiten

1.1.1 Ansicht

Die Hauptrolle bei der Gestaltung spielt wie immer das Motiv. Um das Motiv komplett zu erfassen sehe ich mir das Motiv von allen Seiten an. Dabei achte ich auf Sonnenstand und Hintergrund des Motives sowie die möglichen Perspektiven. Ein ungünstiger Hintergrund könnte das gesamte Bild zerstören und die Arbeit am PC für die Freistellung enorm erhöhen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, grundsätzlich gilt, für ein perfektes Endprodukt muss ein perfekter Anfang geschaffen werden. Jede Unzulänglichkeit bringt nur gesondert Arbeit am PC. Den besten Hintergrund stellt der Himmel zur Verfügung. Darum werden zumindest Hochhäuser meistens mit der Linse nach oben abgeschossen. Die Perspektive sollte immer unterstützend wirken. Ein Hochhaus aus der Froschperspektive kann ein Bild zum beben bringen!

Motive bestehen aus den verschiedensten Objekten. Ein Bürohochhaus steht in der Regel schon sehr dominant im Bild. Aber es einfach so abzulichten wie es ist, bringt am Ende nur Langeweile. Ich versuche die Spannung zu erhöhen oder auch   Dynamik einfließen zu lassen, indem ich keine Gesamtansicht fotografiere, sondern mich auf markante Motivteile konzentriere.
Das könnte z. B. eine Ecke des Hochhauses sein an dem Sonnenlicht vorbeiführt oder eine besondere Spiegelung in den Fenstern sein. Wenn ich ein geeignetes Objekt gefunden habe suche ich mir ein oder zwei Nebenobjekte die ich in Beziehung zu meinem Hauptobjekt bringe. So eine Vorgehensweise baut Spannung auf im Bild. Alle anderen Nebenobjekte sollten soweit wie möglich ausgeblendet werden. Sei es durch geeignete Schärfentiefe oder durch Abschattung später in der PC-Bearbeitung.

1.1.2 die Tageszeiten und die Zeiten

Als beste Tageszeit für Architektur Aufnahmen hat sich wohl die so genannte “Blaue Stunde” herauskristallisiert. Es handelt sich hierbei um die Zeit in der die Sonne am Tiefsten steht bis zu dem Zeitpunkt an dem der Himmel gerade noch als Blau zu erkennen ist. Im Sommer dürfte sie zwischen 21:00 Uhr und 22:00 liegen und im Winter bereits um16:30 beginnen und um 17:15 beendet sein. D. h. ich habe nur einen engen Zeitrahmen um alle die Dinge zu erledigen die in Punkt 1.1.1 genannt sind.

Es ist deshalb sehr von Vorteil das Arbeitsgebiet schon mindestens 1 Stunde vorher aufzusuchen. Fotografieren zur “Blauen Stunde” heißt fotografieren bei wenig Licht. Lichtstarke Objektive sind im Allgemeinen eine gute Wahl, spielen aber aufgrund der kleinen Blende die ich einstelle um Schärfentiefe zu erhalten, nicht die übergeordnete Rolle. Meistens kommen Blenden zwischen 5,6 und 8 zum tragen. Ein Muss hingegen ist das STATIV! Ohne Stativ zu diesen Zeiten wird zu Verwacklern führen, da durch die hohe Blendenzahl die Zeiten im Keller stehen. Mit einem Weitwinkel Objektiv hat man da noch die besten Chancen, den schon begrenzten Zeitraum, komplett aus der Hand schießen zu können. Eine Verwacklungsfreie Aufnahme aus der Hand ist mit der Verdopplung des Kehrwertes der Brennweitenzahl des Objektives   noch möglich (wird allerdings schon kritisch).

Bei einem Weitwinkel von 10 mm Brennweite wäre also 1/20 sec. theoretisch machbar um Verwacklungen zu vermeiden. Bei Teleaufnahmen ab 70 mm sind die Zeiten um 1/150 sec. bereits schon zu gering um verwacklungsfrei arbeiten zu können und dennoch genug Licht in den Kasten zu bringen. Man bedenke, dass bei Teleaufnahmen die Blendenzahl eventuell erhöht werden muss um die Schärfentiefe zu erreichen die ich mit dem Weitwinkel bereits bei Blende 5,6 oder 8 habe.

q101 Natürlich können diese Aufnahmen auch zu jeder anderen Tageszeit durchgeführt werden, z. B. morgens mit einem ordentlichen Morgennebel oder auch mittags, wer harte Kontraste liebt. Mittags ist das shooten nach oben etwas schwieriger, da die Sonne, zumindest im Sommer, am Höchsten steht.

1.1.3 von Objektiven und stürzenden Linien

Prinzipiell kann jede Brennweite die zur Verfügung steht für Architektur-shoots eingesetzt werden. Vorrausgesetzt man beachtet die Regeln die im Punkt 1.1.2 bereits aufgezählt wurden. Ich persönlich arbeite zu 90 % mit dem Weitwinkel. Warum Weitwinkel?
Erstens kann ich nah an das Objekt, somit fallen alle Nebenobjekte, die sich bei hohen Brennweiten durch den Abstand zum Objekt mir in den Weg stellen, flach. Zweitens bringe ich automatisch Dramatik mit in ´s Bild, da sich die Gebäude herrlich perspektivisch verlängern. Drittens bringe ich meine gezielt eingebrachten Nebenobjekte mit einfachen Mitteln in den Sucher. Alles was um mich herum steht kann automatisch als Nebenobjekt herhalten (Autos, Lichtmasten, Schilder, Ampeln usw…).

Wann ein Weitwinkel wirklich ein Weitwinkel ist hängt von der Größe des Sensors ab, dies kann man hier sehr gut nachlesen.
Bei einem APS-C Format 22,5 mm x 15 mm ist ein Weitwinkel erst ab 20 mm auch ein Weitwinkel. Die meistverwendete Brennweite meines Weitwinkelzooms liegt bei 10 mm. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, ich könnte 2 mm nach unten noch gut gebrauchen.Nun bleibt es nicht aus, dass sich bei 10 mm Brennweite die Linien verändern und sich perspektivische Verzerrungen ergeben. Aber…das ist der vierte Punkt warum ich Weitwinkel überhaupt einsetzte. Gekonnt stürzende Linien einsetzen. Ein gutes Foto unterscheidet sich durch ein schlechtes Foto auch durch seine geometrische Gestaltung. Ich möchte sogar sagen die geometrische Gestaltung von Linien ist einer der wichtigsten Punkte in der Fotografie. Also bevor ihr auf den Auslöser drückt, bringt eure Linien in ein Verhältnis zueinander! Ich halte mich auch nur in Grenzen an die “Goldenen Schnitt ” Regeln.
Aber die Grundlagen muss man einfach beachten für gelungene Architektur-Aufnahmen. Das abstrakte Betrachten des Motivs ist unabdingbar zur Beurteilung des Linienverlaufs. D. h., einfach mal gucken…wo sind die Linien (Fenster, Hauskanten, Masten usw.) und durch den Sucher die Kamera auf gerade Linienführung, Diagonalen und Mittelpunkte ausrichten.Wie im Bild zu sehen, liegt die vordere Hauskannte als gerade Linie senkrecht und teilt das Bild in einen hellen und einen dunklen Abschnitt. Alle anderen Linien wie die Schilder und das Firmenschild, arbeiten sich im geraden Verlauf zu der Hauskannte hin und scheinen am oberen Rand mittig zu enden. Würde das Haus über den oberen Rand ragen, hätte diese ganze Komposition nicht mehr diese Dramatik und Dynamik.

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Soviel zur Theorie, wahrscheinlich werden die ersten Gehversuche in diese Richtung nicht gleich klappen. Aber nun weiß man, auf was zu achten ist und was man falsch macht. Beim nächsten shooting wird ´s auf jeden Fall besser werden.

Im nächsten Artikel werde ich mich mit der Nachbehandlung der Fotos befassen damit daraus auch Bilder werden.
Bis dahin viel Spass beim shooten!

2. Die Dunkelkammer.

Die Dunkelkammer am Schreibtisch. Wer hätte das vor 30 Jahren gedacht.
Ohne Rotlicht und chemischen Flüssigkeiten bearbeiten wir unsere Fotos heute. Viele, der zumeist jüngsten Kollegen unter uns, haben die Technik der analogen Fotografie nicht kennengelernt. Fotocomunity und YouTube beherrschen die Foto- und Filmwelt. In den nächsten 30 Jahren werden nur noch digitale Bilderrahmen an den Wänden hängen und das Foto auf Papier wird es nicht mehr geben.
Eins bleibt…das Bild.

2.1 Das Negativ.

Software: RAW-Entwicklungsoftware wie Camera-RAW, Lightroom, Silkypix, Bibble, DXO-Optics, Apple Aperture usw.

2.1.1 vom RAW zum JPG.

Fotos “out of the cam” stellt Rohmaterial dar, welches in den meisten Fällen eine Nachbearbeitung nötig hat. Speziell wenn im RAW-Format fotografiert wird. Da es sich bei RAW-Dateien um Rohdaten handelt, sind keinerlei Kompressionseinwirkungen auf die vom Sensor weitergeleiteten Informationen vorhanden. Die Fotos werden im Allgemeinen immer ziemlich flau und kraftlos erscheinen. Um dem etwas entgegenzuwirken kann man mit geeigneter Software verschiedene Tonwert-Kurven in die Kamera laden. Solche Kurven gibt es fertig hier , ist aber   z. B. über die Nikon-Software “Camera-Control-Pro”, durchaus selbst konfigurierbar. Wer will kann auch nachträglich die Kurven der RAW-Dateien verändern mit der Software ” Curve Surgery “.
Warum RAW?
Das m. E. wichtigste Kriterium für die Arbeit im RAW-Format, ist die Möglichkeit der Erhaltung von Konturen in den Schatten-Bereichen. Da das RAW-Format im eigentlichen Sinn keiner Kompression unterliegt, ist das Licht welches auf den Sensor trifft auch wirklich noch komplett in den Roh-Daten vorhanden (Nikon: *.NEF). Cool, wenn man zur “blauen Stunde” die hinter der Häuserfront verschwindende Sonne fotografiert hat, im Nachhinein diese in ´s Schwarz abgesoffene Häuserfront aufhellen kann, und dabei Dinge zum Vorschein kommen die man mit bloßem Auge nicht gesehen hat. Bei Nachtaufnahmen macht sich dies sehr extrem bemerkbar. Natürlich hat auch dieses seine Grenzen. Aufhellen im Schattenbereich, heißt auch mehr Rauschen im Bild. Wenn die Kontraste zu hoch sind wird das Bild durch zu kräftige Schattenaufhellung mit Rauschen zerstört.
Ein weiterer Vorteil des RAW-Formats ist neben der Möglichkeit den Weißabgleich nachträglich auszuführen, die Möglichkeit immer auf die Lichter belichten zu können. Ein Lichtbereich ist immer mal schnell ausgefressen und den hole ich auch mit dem RAW-Format nicht wieder zurück. Messe ich die Lichter an, richte ich zwar meine Belichtung lichterorientiert aus, kann aber im Nachhinein die Schatten aufhellen und komme so zu einem ausgeglichenen Foto. Eine wiederholte Entwicklung und Bearbeitung der RAW-Datei ist jederzeit möglich. Es handelt sich nunmal um ein Negativ.

Mit einem geeigneten RAW-Converter wird das RAW-Bild nun entwickelt, in dem verschiedene Möglichkeiten der Einstellungen für die Korrektur der einzelnen Parameter durchgeführt werden können. Hierbei handelt es sich um Parameter wie Tiefen und Lichterkorrekturen, Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich sowie verschiedene Farbeinstellungen. Das fertige Bild kann nun platzsparend komprimiert als JPG abgespeichert werden.

Der Vorteil eines JPG ´s liegt in seiner kleinen Dateigröße gegenüber dem RAW begründet. Durch die weite Verbreitung des Formates ist es im Internet neben GIF oder PNG wohl das am Häufigsten verwendete Bild-Format. Man bedenke aber, dass die Kompression von RAW auf JPG nicht spurlos am Bild vorübergeht. Es geht sehr wohl einiges an Bildinformation flöten. Puristen die diese Informationen nicht her geben wollen greifen zum TIF-Format das dem RAW-Format sehr nahe kommt. Im Internet ist dieses Format allerdings aufgrund seiner Dateigröße nicht zu verwenden. Allenfalls kommen die Vorteile des TIF ´s bei der Ausbelichtung zum Tragen.

histogramm4 nef14
Das Histogramm gibt Auskunft über die Intensität der im Bild vorhandenen Lichter und Schatten.
Von Links (Schatten) nach Rechts (Lichter) wird die Intensität und die Häufigkeit der Lichter und Schatten im Histogramm dargestellt.
Wie zu sehen, bedarf das flaue Bild einer Korrektur.
histogramm21 nef2
Eine Tonwertkorrektur z. B. im Photoshop über -Image, -Adjustments, -Auto Level, spreizt die Werte im Diagramm und das Bild wird in seinen Lichtern und Schatten ausgeglichen. Es bekommt Brillianz.
Zwei weitere Klicks für den
colorbalance Auto-Contrast sowie Auto-Color und ein ausgeglichenes Foto, in seinen Kontrasten- und Helligkeiten- sowie Farben-, ist entstanden.
Wenn man möchte kann man die Gradation (Kontrasthärtegrad) des Fotos noch verändern, indem man das Diagramm für den Gradationsabgleich aufruft.
Photoshop…-Image, -Adjustments, -Curves…, und schon kann man sich mittels der Maus an der Kurve austoben. Die Veränderungen sind am Bild sofort sichtbar. Hier dargestellt die typische “S”-Kurve für eine Anhebung der Kontraste im mittleren Lichterbereich und im mittleren Tiefenbereich.
Diese Kurve bringt meist ein zufriedenstellendes Ergebnis.
curve Wenn man mit Kontrasten spielt sollte man darauf achten, dass Lichter nicht ausfressen und Tiefen nicht absaufen. Es sei denn, es ist gewollt.

Die nächste Einstellung die ich vornehme ist die Einfärbung des Fotos über die Color Balance. Natürlich nur wenn sie auch erwünscht ist.

-Image, -Adjustments, Color Balance…
Da man hier die Tiefen, die Mitteltonung, und die Lichtertonung getrennt voneinander einstellen kann, kommt im Bild weit mehr Wirkung zustande als mit einer einfachen Sepia-Tonung. Natürlich spielt auch hier wieder der eigene Geschmack die Hauptrolle.

Als vorerst letzte Einstellung sind die Helligkeitswerte und Kontrastwerte zu verändern. Wie man vielleicht schon gesehen hat, sie befinden sich im gleichen Menü. Auch hier kann kann man über- und untertreiben. Letztendlich spielt der eigene Geschmack immer wieder die Hauptrolle!

2.2.2 Ausschnitte.

Wenn das Foto mal nicht die Wirkung zeigt von der man beim Shooting ausgegangen ist, könnte man versuchen ein einzelnes Objekt aus dem Gesamtmotiv heraus zu nehmen. Mit dem crop-Werkzeug in Photoshop ist dies schnell durchgeführt.

katze1 Hier musste ich schnell sein, da das kleine Kätzchen bereits zum Sprung auf die nächste Treppenstufe ansetzte. Somit blieb keine Zeit für Objektivwechsel (Weitwinkel am Body). Näher ran funktionierte auch nicht, da eine gewisse Fluchtdistanz zum Kätzchen gewahrt werden musste. Aufgrund der Treppenstufe konnte auch kein anderer Bildausschnitt gewählt werden.

Als Gesamtmotiv wohl eher durchschnittlich. Das eigentliche Motiv viel zu weit weg. Sehr störend und ablenkend wirkt die Tür auf das Motiv. Die Mittigkeit des Hauptobjekts bringt keine Spannung. Die Stimmung ist eher bedrohlich. Hier handelt es sich um den klassischen Schnappschuss!

katze2

Vom landscape-Format in das quadratische Format gebracht und schon wird dem Kätzchen warm um ´s Herz .

Die langen Perspektiven sind ebenfalls verschwunden, die der Miau Angst machten. Man hat fast den Eindruck sie zögert, ob es sich denn wirklich lohnt auf die nächste Stufe zu springen.

Wie bereits im ersten Artikel “Gestaltung und Komposition” beschrieben, hier wieder drei Objekte die miteinander kommunizieren. Die Linien der Treppenstufe lenken den Blick zur Katze und enden mittig. Der Blick der Katze zu der Treppenstufe vollendet die Komposition. Als kleines Ablenkungsmanöver rundet das Blatt auf dem die Katze sitzt, die Gesamtkomposition ab.




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2 Responses To  “Vom Foto zum Bild”

  • 04.09.2009

    [...] Blitztechnik – YONGNUO YN 462…• Strobist – Nightshoot…• 07/09…• Welchen Browser benutzt Du?…• Internet Browser…• Blitztechnik – Infinity Cactus V2…• Blitztechnik – Flash to [...]

  • 13.01.2012

    [...] Dies wird auf meinem Blog auch eifrig gemacht. Meine Artikel zum goldenen Schnitt sind hier Bestseller. Trotzdem will ich nochmals auf die Wichtigkeit der richtigen Bildgestaltung hinweisen und an Hand [...]


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